Im Strudengau

Geschichte

Insel Wörth

Autor: OSR L. Mayerhofer

Die Insel Wörth ist die letzte noch erhaltene einzige echte Donauinsel bis zur Donaumündung in das Schwarze Meer und der geographische Mittelpunkt des Strudengaues. Geologisch gesehen gehört sie zum Felsmassiv der Böhmischen Masse und besteht aus Granit und Gneis. Die Donau wird durch sie in zwei Arme geteilt: in den südlichen niederösterreichischen, den Hößgang, und in den nördlichen oberösterreichischen. Der felsenreichste Donauarm ist der linke (,,Strudel´´), einst auch von beherzten Schiffern gefürchtet. Hier scheiterten früher zahlreiche Donauschiffe an den unter dem Wasser befindlichen Klippen. Die Gefahren konnten erst durch Regulierungsarbeiten in den Jahren 1696 bis 1866 und zuletzt durch die Errichtung der Staustufe des Kraftwerkes Ybbs-Persenbeug behoben werden (Erhöhung des Wasserspiegels um fünf Meter). Bedingt durch den Einstau erhielt die Insel ihre heutige Form. War sie früher bei Niederwasser der Donau von Hößgang her über Schotterbänke zu Fuß oder mit Fuhrwerken erreichbar, ist heute auch der rechte Arm durch die Erhöhung des Wasserspiegels für die Schiffahrt geeignet.

Die Insel selber hat eine Größe von 13,5 Hektar und befindet sich zur Gänze im Gemeindegebiet von Neustadtl/D.; Eigentümer ist die Republik Österreich/Bundeswasserbauverwaltung. In der Mitte der Insel befinden sich drei bezaubernde Weihen mit einer Gesamtfläche von 1,81 Hektar. Seit 1970 ist das Eiland Naturschutzgebiet des Landes Niederösterreich. Ihre Schutzwürdigkeit begründet sie auf folgende Tatsachen:

Bei den bemerkenswerten Felsgebilden handelt es sich um die letzterhaltenen Klippen im Bereich des Strudels. Diese erlangenals Relikt der Ur-Donau die Eigenschaft eines Naturdenkmals.

Im Quartär, vor etwa 2,5 bis 1,8 Millionen Jahren floss die Ur-Donau zuerst noch über die Strengberge und zog in zahlreichen Armen zwischen den Südhängen des Neustadtler Berglandes und den nördlichen Ausläufern der Voralpen dahin. Als sich das Land hob, musste sich die Donau etwas weiter im Norden einen neuen Weg suchen, wo nach und nach die Ausläufer der Böhmischen Masse zum Vorschein kamen. Das Wasser staute sich im Machlandbecken zu einem See und floss dann um etwa 10 bis 12 Meter höher als heute. Allmählich schürfte der Strom seinen Weg durch das Grundgebirge aus. Nach der letzten Eiszeitvor rund 10.000 Jahren entstand das uns heute vertraute Bild der Landschaft. Das Tal – der Strudengau – war eng und für die Schiffer bis zum Aufstau der Donau durch das Kraftwerk bei Ybbs-Persenbeug gefährlich. Ein besonderes Zeichen der Insel Wörth bildet laut Feststellung von DI Jakob Zeller das Vorkommen seltener Tier – und Pflanzenarten. So ist die Insel Trägerin der äußerst raren Mischung zwischen Gebirgs – und Auflora mit

  • Soldanella, einer Glockenblumenart
  • des bärtigen Enzians und
  • von vielen über hundert Jahre alten Efeupflanzen
  • u.a.m.

Außerdem sind auf der Insel verschiedene Arten von Federwild, darunter auch der Graureiher, der Eisvogel und sogar der Seeadler in dem selten angetasteten Naturraum ansässig.

Die kulturhistorische Bedeutung der Insel Wörth

Autor:OSR L. Mayerhofer

Die Donau ist und war uralter Völkerweg für ganz Europa. Sie durchbricht im Strudengau das Urgestein der Böhmischen Masse und bildet bis vor 50 Jahren einen für die Schifffahrt sehr gefahrvollen Abschnitt.

Seit der Völkerwanderungszeit kam die Gefahr für die an der ,,oberen Donau´´ lebenden Völker aus dem Osten. An keiner Stelle hätte man den Zugang aus dem Osten leichter sperren können als im unmittelbaren Bereich des gefährlichen ,,Strudels´´ zwischen dem Ort Struden und der Insel Wörth. Im Anhang des Romans ,,Die Trutzburg´´ von Franz Herndl wird berichtet: Funde, die auf der Insel gemacht wurden, lassen erkennen, dass diese schon zur Steinzeit bewohnt war. Später ließen sich auf dem Eiland die Kelten nieder und auch die Römer, welche in dem Donau aufwärts gelegenen Laureacum eine Flottenstation besaßen. Letztere hatten auf der Insel ein Kastell (Wahrscheinlich unter Mark Aurel um 166 n. Chr.) angelegt, aus dessen Trümmern im Mittelalter eine Raubritterburg entstand. In der Burg hauste das gefürchtete Raubrittergeschlecht ,,Schnapphahn´´, das die talwärts fahrenden Schiffe mittels einer über der Donau gespannten Kette unterhalb des ,,Strudels´´ am so genannten ,,Wirbel´´ aufhalten ließ. Hatten die Schiffe nicht schon oberhalb von Grein den Zoll entrichtet, wurden sie eingekerkert und es musste Lösegeld bezahlt werden. (vgl.Herndl, Die Trutzburg, Anhang) Tatsächlich findet man auf der Insel die Reste einer Burganlage hoch auf dem Wörtherfelsen. Es war die Wörthburg, welche zusammen mit Burg Werfenstein auf dem nörtlichen Ufer wahrscheinlich Befestigungsanlagen bildete, von denen man mittels Ketten den Strom zur Gänze sperren konnte. Wir befinden uns also in der Zeit des Mittelalters. Heute trägt der Gipfel des Wörtherfelsen nur noch die Mauerreste der ehemaligen Wörtherburg. Am westlichen Ende der Insel steht das Sagen umwobene vier Meter hohe Schifferkreuz (Wörtherkreuz) aus Granit. Es trägt die Jahreszahl 1552 und eine mehrfach von Kugeln durchlöcherte österreichische Flagge aus Metall. Die im Jahre 1789 von Josef Eisner erstellte technische Zeichnung zeugt von einem ,,Hufschlag´´ – einer neu erbauten Uferbefestigung für Schiffszüge auf der Insel Wörth. Sie sollte stromaufwärts fahrende Schiffe sicher durch den Strudel bringen. Diese Befestigung verlor erst mit der Erhöhung des Wasserspiegels durch die Inbetriebnahme des Kraftwerkes Ybbs – Persenbeug ihre endgültige Bedeutung.Um die Mitte des 19. Jahrhunderts bestand unter Herzog I. von Coburg-Gotha der Plan, auf der Insel einen Englischen Garten anzulegen. 1853 wurde das Eiland Eigentum der Königin Viktoria von Großbritannien und Irland. Die Anwesenheit des ,,Wörther Bauer´´ von 1673 bis 1862, dass Teile der Insel landschaftlich genutzt wurde. Nach dem ,,Allerheiligengieß´´ (Hochwasser) am 1.11.1862 verlässt der Wörthbauer sein Gehöft. Mauerreste davon lassen den seinerzeitigen Standort und die Größe erkennen. Im Herbst 1908 verkaufte der Herzog Leopold Karl Eduard von Sachsen-Coburg die Insel um 9000 Kronen an eine Baufirma, welche diese abholzen wollte und für den Bau der Eisenbahn Grein – Krems die Errichtung einer Zementfabrik plante. Auf  Intervention des Schriftstellers Dr. Franz Herndl aus Grein, er veröffentlichte in der Neuen freien Presse Artikel, welche für die Erhaltung dieses wildromantischen Eilandes warben, kauft der österreichische Staat die Insel. 1970 wird der Plan eines Wiener Industriellen vereitelt, eine Bungalowsiedlung auf der Insel zu errichten. In der Folge wird diese zum Naturschutzgebiet erklärt.

Autor: OSR L. Mayerhofer

Verwendete Literatur: Oberösterreichische Heimatblätter, Jahrgang 26, 1972, Heft  1 / 2. Franz Steinkellner, Werfenstein. Dr. L. Gassner-Dammerer, Neustadtl an der Donau. Heimatbuch der Marktgemeinde Kreuzen.

Die Insel Wörth – ein infamer Ort

Aus dem Buch Burg Werfenstein, Verfasser des Buches:  Alois und Vevi Angerpointner

Die Insel Wörth, inmitten der Donauschnellen gelegen, sieht man am besten von der Mündung des Gießenbaches aus, der in der Nähe der Burg Werfenstein in die Donau fließt. Diese Insel ist heute noch stark mit Buschwerk und Sträuchern bewachsen. Auf ihr leben noch vor gut 150 Jahren der sog. ,,Wörthbauer’’ mit seiner Familie, dessen Haus und Hof im Februar 1862 bei dem damaligen gewaltigen Hochwasser von den übermächtigen Fluten der hochgehenden Donau einfach hinweggerissen und mitgenommen wurden. Bei dieser Insel beginnt die zweite Strudenenge nach dem Schwalleck bei Grein. Die durch die Enge zwischen Hößgang und der Insel Wörth brausenden Fluten machten jedem Schiffe, der hier durch mußte, angst und bange. In Schifferkreisen lebte die wunderliche Vorstellung weiter, daß die Wirbel und die Felsen, die damals noch immer aus dem Wasser ragten, hier die Donau bodenlos werden ließen, andererseits aber die Donau wieder so seicht machten, daß man kentern mußte, wenn man bei Niedrigwasser darüber fuhr.Man erzählte sich die schaurige Mär, daß hier die Donau direkt mit dem Plattensee in Ungarn in Verbindung stünde, sodaß die Schiffe, die hier kenterten, nie wieder zutage kämen. Mehrere Schriftsteller des 17. Jahrhunderts nannten deshalb diesen Strudel bereits ,,einen infamen Ort, allwo die Schiffe an den Felsen strandeten.

Vom Kreuz auf der Insel Wörth

Aus dem Buch Burg Werfenstein, Verfasser des Buches:  Alois und Vevi Angerpointner

Unmittelbar gegenüber der Burg Werfenstein liegt die Insel Wörth, mitten in der Donau. Von dem Kreuz, das heute noch auf der höchsten Erhebung dieser Insel weithin leuchtet, erzählt man sich folgende Sage:

Ein Graf aus Tirol hatte im Jahre 1540 auf der Fahrt von Tirol nach Wien zu seinem Schwager vor der Insel Wörth Schiffbruch erlitten. Es hatte damals den Anschein, daß die gesamte Schiffsmannschaft ein Opfer der heimtückischen Klippen und Untiefen geworden sei. Doch der todesmutige und getreue Diener des Grafen aus Tirol konnte gerade noch in letzter Minute seinen bereits bewusstlosen Herrn aus dem Strudel und dem Wirbel an das rettenden Ufer auf die Insel Wörth retten; alle anderen Schiffsinsassen, so erzählte man sich, seien ein Opfer der Wellen geworden. Aus Gram des Grafen über den vermeintlichen und schmerzlichen Verlust seiner Gemahlin, daß auch diese mit allen übrigen ertrunken wäre, blieben die beiden Überlebenden, der Graf und sein treuer Diener, als Einsiedler auf der Insel Wörth zurück und verbrachten ihr gemeinsames Leben als Einsiedler und Büßer, äußerst, zurückgezogen und gottesfürchtig. Die Gräfin aber, wie durch ein Wunder ebenfalls gerettet, erfuhr erst nach zwölf Jahren von den beiden seltsamen Inselbewohnern auf der Insel Wörth im Struden, die damals 1540 gerettet worden waren. Von einer inneren Ahnung und Unruhe getrieben, aber auch zugleich von größter Hoffnung erfasst, reiste die Gräfin von Wien aus, in dem sie bei ihrem Bruder solange gelebt hatte, an die ehemalige Unglücksstelle, an der sie bei der Insel Wörth vor zwölf Jahren gerettet worden war, während sie wähnte, ihren Ehemann mit seinem Diener verloren zu haben. Da fand sie die beiden Einsiedler, ihren Ehemann und seinen Diener, wohlbehalten wieder.

Aus übergroßer Dankbarkeit für ihre Errettung und das glückliche Wiederfinden ihres Mannes mit seinem Diener stifteten alle Drei das genannte Kreuz auf der Insel Wörth, das heute noch auf der Insel zu sehen ist, ehe sie glücklich und wohlbehalten nach Tirol zurückkehrten. Das Kreuz trug bislang die Jahreszahl 1552; es waren 12 Jahren ins Land gegangen seit dem großen Schiffsunglück von 1540.